30.08.2017

Boys' Day an der Katholischen Hochschule für Sozialpädagogik

Die Hochschule präsentierte beim diesjährigen Boys‘ Day ihr Studienangebot und traf bei den teilnehmenden Jungen auf Skepsis und überraschende Sichtweisen.

Unter dem Motto „Vielfältig! Spannend! Anspruchsvoll! – ein Studium im sozialen Bereich“ wurde der Boys' Day vom Institut für Gender und Diversity ausgerichtet. Teilgenommen haben 50 Schüler im Alter zwischen 10 und 17 Jahren, um das Studierendenleben, einzelne Studieninhalte sowie pädagogische Praxisfelder näher kennenzulernen. Für viele Teilnehmer war es ein weiter Blick über den Tellerrand, denn nach ihren Traumberufen befragt, lauteten die Antworten: Kameramann, Auto-Designer, Fußballer, Polizist und KFZ-Mechatroniker. „Sozialarbeit, das machen eher Mädchen, ich finde Autos und Technik spannender“, sagte einer der Jungen.

Fast zwei Stunden zogen die Schüler in kleinen Gruppen – begleitet von einem/r Studierenden – durch die Hochschule. Viele Mitarbeiter/innen, Studierende und Lehrende gaben Einblicke in ihren beruflichen Werdegang, Mitarbeitende der Koordinationsstelle „Chance Quereinstieg/Männer in Kitas“ nahmen Stellung zur Unterrepräsentanz von Männern im sozialen Bereich und brachten auf den Punkt, warum sie pädagogische Arbeit so spannend und abwechslungsreich finden.

Die Schüler besuchten laufende Seminare. Hier fragten sie die Studierenden, wie sie auf die sozialen Berufe vorbereitet werden, und warum sie sich für den Studiengang entschieden haben. Von den Lehrenden wollten sie wissen, wie sie zur Sozialen Arbeit gekommen sind. Im Praxisreferat, das für alle Fragen rund um die Praktischen Studiensemester zuständig ist, erklärten die Mitarbeitenden, in welche Einrichtungen die Studierenden für ihre Praxissemester gehen können bzw. welche Praxisfelder es überhaupt im sozialen Bereich gibt – von der Altenhilfe, über die Erlebnispädagogik sowie Kinder- und Jugendhilfe bis hin zur Straffälligenhilfe und Suchtberatung. „Das es so viele Studienangebote und Entfaltungsmöglichkeiten im sozialen Bereich gibt“, überraschte einen Teilnehmer sehr. Besonderes Interesse rief der Beruf „Streetworker“ hervor und als es um Einsatzmöglichkeiten im Justizvollzugsbereich ging, zeigten die Jungen noch einmal rege Anteilnahme. Der Neid auf den Girls' Day, weil die Mitschülerinnen in Technikberufe schnuppern durften, konnten einige der Teilnehmer nicht verbergen, auch nicht, dass ihnen Berufe im sozialen Bereich eher fremd sind. „Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass wir nur Frauen als Erzieherinnen gesehen haben“, machte ein Schüler einen Erklärungsversuch.

In der Lernwerkstatt für Kindheitspädagogik und dem abschließenden Quiz rund um Männlichkeit, vielfältige Lebensentwürfe und soziale Tätig- und Fähigkeiten lebten die Jungen noch einmal richtig auf. „Ich finde, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte und Pflichten haben“, „warum sollten Frauen weniger verdienen als Männer“, kam den Jungen leicht über die Lippen, auch fanden sie Frauen in Führungspositionen selbstverständlich. Auf der anderen Seite berichteten sie, dass ihrer Erfahrung nach Jungen in der Familie eher gefördert und Mädchen eher verwöhnt würden. Warum das so sei, wurden sie gefragt. „Damit die Männer später einen guten Job bekommen und Geld verdienen können“, lautete eine Antwort, die zeigt, wie wichtig der Boys' Day und die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen immer noch ist. Auf der einen Seite sind die Jungen beeinflusst von den teils progressiven Lehrinhalten, die ihnen an Schulen vermittelt werden, auf der anderen Seite von den teils eher traditionellen Erfahrungen und Vorbildern, die sie in ihrem Alltag erleben.

Der Boys' Day kann helfen, die Wahrnehmung der Jungen zu schärfen. Erste Erfolge vermeldet das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V., das den Jungen-Zukunftstag seit 2011 ausrichtet: „Seit Start des Projekts im Jahr 2011 hat sich der Anteil der Männer beispielsweise bei der schulischen Ausbildung zum Erzieher von 16,8 Prozent im Jahr 2012 auf 18,6 Prozent nur drei Jahre später erhöht.“ Einrichtungen und Unternehmen, die am Boys' Day teilnehmen, machten Berufe jenseits von Geschlechterstereotypen einer breiteren Zielgruppe zugänglich und trügen damit aktiv zu mehr Chancengleichheit bei, heißt es weiter.