12.05.2016

Der Erzieherberuf – ein attraktives Berufsfeld, zunehmend auch für Männer

Männeranteil in Kitas und Ausbildung steigt langsam aber kontinuierlich an

Foto: Tim Deussen. Copyright: Koordinationsstelle "Chance Quereinstieg/Männer in Kitas".

Der Männeranteil im Feld der  ‚Kindertagesstätten‘ steigt nunmehr seit Jahren bundesweit jährlich an, während der Männeranteil in allen anderen pädagogischen Berufsfeldern des Sozialsektors kontinuierlich rückläufig ist.  Dies zeigt sich auch an der steigenden Anzahl männlicher Fachschüler.  Von 2009/2010 bis 2014/2015 stieg diese von 7740 auf 15.061. Dies entspricht einer Steigerung von 94,6 Prozent. Interessant und sicher ebenfalls ein Erfolg der verschiedenen Bundesprogramme zum Thema ‚Männer in Kitas‘ ist die Entwicklung im Bereich der berufsbegleitenden Ausbildung.

Berufsbegleitende Ausbildung für Männer besonders attraktiv

Berufsbegleitende Erzieher/innen-Ausbildungsgänge haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Im Zeitraum von 2009/2010 bis 2014/2015 stieg der Anteil dieser Ausbildungsform von 8,5 Prozent auf 17,7 Prozent an. Ein Blick in die Datensätze der statistischen Bundesländer zeigt, dass insbesondere diese Ausbildungsgänge interessant für Männer sind. Die berufsbegleitende Ausbildung zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Fachschüler/innen neben ihrem schulischen Unterricht in einer sozialpädagogischen Einrichtung angestellt sind. In der Regel arbeiten die Fachschüler/innen dann an ein bis vier Tagen in der Woche in einer sozialpädagogischen Einrichtung und besuchen an den anderen Tagen die Fachschule oder auf mehrere Wochen Schule folgen einige Wochen Praxis. Die Fachschüler/innen werden für ihre praktische Tätigkeit vergütet bzw. beziehen ein Ausbildungsgehalt. Ein Vergleich mit der vollzeitschulischen (unvergüteten) Erzieher/innenausbildung zeigt, dass der Anteil männlicher Fachschüler bei den berufsbegleitenden Ausbildungen im Durchschnitt um 3,5 Prozentpunkte höher liegt als bei der so genannten Vollzeitausbildung.

52 Prozent Männer im neuen Bundesprogramm ‚Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas‘

Entsprechend kann es auch nicht verwundern, dass die ersten Monitoringdaten des ESF-Bundesmodellprogramms „Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas“ zeigen, dass der Männeranteil in den Ausbildungsgängen, die im Rahmen dieses Modellprogramms erprobt werden sehr hoch ist. Die erreichten 52 Prozent im ersten Jahrgang überstiegen aber auch deutlich die Erwartungen aller beteiligten Akteure. Es bleibt abzuwarten, ob dieser hohe Männeranteil in den kommenden Ausbildungsgängen gehalten werden kann.

50 Prozent männliche Studierende in einem Berliner Erzieher/innen-Ausbildungsgang  mit bewegungs- und sportpädagogischem Profil in Vollzeit

Trotz all der positiven Entwicklungen ist der Männeranteil in Kindertagesstätten weiterhin relativ niedrig. Mit 4,7 Prozent liegt der Männeranteil auch  im Jahr 2015 deutlich unter der - seit Mitte der 1990er Jahre im internationalen Kontext - (fach-)politisch geforderten 20 Prozent-Marke. Es bedarf also weiterer Bemühungen und guter Ideen. In Dänemark beispielsweise haben sich einzelne Ausbildungseinrichtungen für Erzieher/innen bereits im Jahr 2000 überlegt, Sport-, Bewegungs- und Naturunterricht energischer in die Ausbildung zu integrieren, um verstärkt auch Männer für die Erzieher/innenausbildung anzusprechen. So können sich Studierende des Kolding College beispielsweise auch zum/zur Schwimmlehrer/in ausbilden lassen. Drei Jahre nach Einführung der neuen Bewegungs- und Naturunterrichtsinhalte stieg der Männeranteil von 15 Prozent auf ca. 24 Prozent (vgl. Wohlgemuth 2003). Nachahmung fand dieses Beispiel in Berlin.  Die Stiftung SPI (Sozialpädagogisches Institut Berlin „Walter May“) betreibt dort seit 2012 eine staatlich anerkannte Erzieher/innenausbildung mit bewegungs- und sportpädagogischem Profil in Vollzeit. In diesem Ausbildungsgang liegt der Männeranteil  bei etwa 50 Prozent. Neben der Implementierung berufsbegleitender Ausbildungsgänge, offensichtlich eine weitere sehr erfolgreiche Strategie, den Männeranteil im Berufsfeld der Erzieher/innen zu steigern. Wir fragen uns, woran es liegt, dass dieser Ausbildungsgang bisher eine bundesweite Ausnahme ist?

Literatur und Link

Wohlgemuth,Ulla (2003): Men in Childcare. Konferenzpapier auf der europäischen Konferenz „Men in Childcare“ in Edinburgh, siehe: http://www.meninchildcare.co.uk/Conference-2003.htm [Stand: 12.4.2016].

http://www.spi-fachschulen.de/fachschule-fuer-erzieher/vollzeitausbildung/erzieherausbildung-mit-bewegungs-und-sportpaedagogischem-profil/