06.04.2017

Trends und Prognosen

5%-Schwelle erreicht – Weiterhin stetiger Zuwachs an männlichen Mitarbeitern in Kitas

Foto: Tim Deussen. Copyright: Koordinationsstelle "Chance Quereinstieg/Männer in Kitas".

Im Jahr 2016 arbeiteten 27.114 männliche Mitarbeiter (Fachkräfte, Praktikanten, Freiwilligendienstler und ABM-Kräfte) in Kindertageseinrichtungen, damit beträgt der Anteil am Gesamtpersonal 5,0 Prozent. In diesen Daten sind die (Schul)-Horte nicht mitgerechnet. Das ist im Vergleich zum Jahr 2015 ein Anstieg um 2.187 männliche Mitarbeiter und somit ein Zuwachs von 8,77 Prozent.

Fast 10 % Zuwachs an männlichen Fachkräften in Kitas

Der Anteil männlicher Fachkräfte (ohne Praktikanten, Freiwilligendienstler und ABM-Kräfte) liegt bundesweit bei 4,3 Prozent, das entspricht 21.983 männlichen Fachkräften. Der Zuwachs betrug hier sogar 9,92 Prozent, in absoluten Zahlen 1.985 männliche Fachkräfte mehr als 2015.

Im Gegensatz zum Anteil von 5,48  Prozent männlichen Mitarbeitern, den das Bundesamt für Statistik im Oktober 2016 veröffentlichte, geben die hier berechneten 5,0 Prozent männliche Mitarbeiter insgesamt Aufschluss darüber, wie viele Männer mit Kindern im Alter von 0-6 Jahren arbeiten. Die Koordinationsstelle ‚Chance Quereinstieg/Männer in Kitas‘ hat ihren Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Kindertagesstätten und nimmt daher die Entwicklung in diesem Bereich gezielt in den Blick.

Die Koordinationsstelle zeichnet zudem die Entwicklung des Männeranteils in den einzelnen Bundesländern, den Stadt- und Landkreisen und den Fachschulen nach.

Hamburg und Berlin sind weiterhin Spitzenreiter beim Männeranteil

Die Bundesländer Hamburg und Berlin führen die Liste der 16 Bundesländer beim Männeranteil an. In Hamburg beträgt der Anteil männlicher Mitarbeiter 10,9 Prozent und in Berlin 9,6 Prozent. Bei Betrachtung nur des Anteils männlicher Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen liegen Hamburg mit 9,9 Prozent und Berlin mit 9,2 Prozent an der Spitze.

Da Hamburg und Berlin zudem einen Anteil von fast 25 Prozent männlichen Fachschülern in Fachschulen für Sozialpädagogik aufweisen, ist zu vermuten, dass sich der Männeranteil in Kitas in diesen Bundesländern auch in den nächsten Jahren auf relativ hohem Niveau bewegen wird.

Schlusslichter sind Bayern und Sachsen-Anhalt

Schlusslichter im Vergleich der Bundesländer sind Bayern mit 2,9 Prozent und Sachsen-Anhalt mit 3,6 Prozent Männeranteil bei den Mitarbeiter/innen. Bei den Fachkräften liegt der Anteil bei 2,3 Prozent in Bayern und 3,2 Prozent in Sachsen-Anhalt.

Die größten Steigerungen seit 2007 gab es in Berlin, Sachsen und Brandenburg

Bei der Betrachtung der Entwicklung seit 2007 zeigt sich, dass insbesondere Berlin, aber auch die Bundesländer Sachsen und Brandenburg eine überdurchschnittlich hohe Steigerung des Männeranteils verzeichnen konnten.

So stieg in den Jahren 2007 bis 2016 in Gesamtdeutschland der Anteil männlicher Fachkräfte (ohne Praktikanten, etc.) von 2,2% auf 4,3% – dies entspricht einer Steigerung von 2,1 Prozentpunkten. Der Anteil männlicher Fachkräfte, incl. Praktikanten und Freiwilligendienstler stieg im gleichen Zeitraum von 2,8% auf 5,0% (Steigerung von 2,2 Prozentpunkten). In Berlin betrug dagegen die Steigerung des Männeranteils zwischen 2007 und 2016 insgesamt 5,3 Prozentpunkte (nur Fachkräfte) bzw. 5,4 Prozentpunkte (Fachkräfte incl. Praktikanten, etc.).

In Sachsen und Brandenburg betrug die Steigerung des Anteils männlicher Fachkräfte (ohne Praktikanten) in den letzten neun Jahren 4,1 bzw. 3,9 Prozentpunkte. Die Steigerung des Anteils männlicher Fachkräfte, incl. Praktikanten und Freiwilligendienstler belief sich auf 4,3 bzw. 3,9 Prozentpunkte. In Sachsen geht die Steigerung des Männeranteils allerdings vor allem auf die Zunahme männlicher Beschäftigter in Dresdener und Leipziger Kitas zurück. So arbeiteten im Jahr 2016 mehr als die Hälfte aller sächsischen männlichen Fachkräfte in diesen beiden Städten.

Leuchttürme beim Männeranteil

Die gezielte Betrachtung des Männeranteils auf der Stadt- und Landkreis-Ebene ist ebenfalls interessant und verdeutlicht unterschiedliche Entwicklungen. Die Analyse zeigt, dass sich der positive Trend in Stadtkreisen mit höherem Männeranteil fortsetzt.

So gab es im Jahr 2016 neun Stadtkreise, die einen Männeranteil (Fachkräfte, incl. Praktikanten, etc.) von mehr als 10 Prozent aufweisen, nämlich Kiel (13,4%), Frankfurt am Main (13,2%), Leipzig (11,2%), Hamburg (10,9%), Freiburg (10,9%), Flensburg (10,8%), Kassel (10,5%), Darmstadt (10,2%) und Mainz (10,2%).

Fast alle Bundesländer weisen noch weitere Stadtkreise auf, die aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Männeranteile „Leuchtturmcharakter“ haben. Erwähnenswert sind der Stadtkreis Potsdam (9,5%) in Brandenburg, die Stadtkreise Stuttgart (9,4%) und Karlsruhe (9,1%) in Baden-Württemberg, die Stadtkreise Offenbach (8,6%) und Wiesbaden (8,3%) in Hessen, der Stadtkreis Dresden (9,6%) in Sachsen, die Stadtkreise Jena (9,2%) und Erfurt (8,6%) in Thüringen, die Stadtkreise Münster (8,5%),  und Bielefeld (7,4%) in NRW, der Stadtkreis Halle (8,0%) in Sachsen-Anhalt, die Stadtkreise Speyer (9,0%) und Koblenz (6,7%) in Rheinland-Pfalz sowie die Stadtkreise Rostock (7,1%) und Schwerin (6,7%) in Mecklenburg-Vorpommern.

Auswirkung ESF-Modellprogramm „Mehr Männer in Kitas“?

Eine Analyse der Stadt- und Landkreise, die mit dem ESF-Modellprogramm „Mehr Männer in Kitas“ (Laufzeit 2011-13) erreicht wurden,  gibt Hinweise auf die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Gewinnung von Männern für die Arbeit in Kitas. So gab es zwischen 2011 und 2016 bundesweit einen Anstieg des Männeranteils an Mitarbeitenden um 1,52 Prozentpunkte, von 3,48 % auf 5,0 %.

In den folgenden Stadt- und Landkreisen, die vom ESF-Programm profitierten, stieg der Anteil deutlich stärker. In Rostock betrug der Zuwachs 4,54 Prozentpunkte (von 2,56% auf 7,1%), in Lübeck 3,97 Prozentpunkte (von 4,13% auf 8,1%), in Darmstadt 3,6 Prozentpunkte (von 6,6% auf 10,2%) und in Nürnberg 3,55 Prozentpunkte (von 2,85% auf 6,4%). Erwähnenswert ist bei dieser Betrachtung vor allem  das Bundesland Thüringen, dort stieg der Männeranteil in Erfurt um 5,29 Prozentpunkte (von 3,31% auf 8,6%), im Ilm-Kreis und in Sonneberg jeweils um 3,71 Prozentpunkte. Beide Landkreise starteten mit einem sehr geringen Männeranteil von 0,49% (Ilm-Kreis) und 0,99% (Sonneberg).