Vernetzungstreffen der Arbeitskreise für männliche Fachkräfte

Generalverdacht und Flüchtlinge sind Themen

Foto: Bellwinkel. Copyright: Koordinationsstelle "Chance Quereinstieg/Männer in Kitas".

Zum 5. bundesweiten Vernetzungstreffen trafen sich im April in Leipzig Leiter/innen und Koordinator/innen von Arbeitskreisen für Männer in Kitas aus sieben Bundesländern. Moderiert wurde das Treffen von Tim Rohrmann, einem ehemaligen Koordinationsstellen-Mitarbeiter, der seit 2014 Professor für Bildung und Entwicklung im Kindesalter an der Evangelischen Hochschule in Dresden ist. Im Folgenden geben wir Teile seines Berichts dieses Treffens wieder.

Situation der Arbeitskreise in den Bundesländern

Insgesamt gibt es bundesweit zurzeit über 20 aktive Arbeitskreise für Männer in Kitas, vermutlich noch mehr, da nicht aus allen Regionen Informationen vorliegen. Dies ist weniger als vor zwei Jahren, aber deutlich mehr als in der Zeit vor dem Modellprogramm MEHR Männer in Kitas, das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde (Laufzeit 2011-2013).

Einige Arbeitskreise sind nicht nur offen für bereits ausgebildete Erzieher mit teils langjähriger Berufserfahrung, sondern haben sich explizit auch für Praktikanten und Fachschüler geöffnet. Die Erfahrungen sind positiv. Dies wird insbesondere als wichtig angesehen, weil diese Zielgruppe noch in der Phase der persönlichen Berufsorientierung ist, gerade in dieser Zeit aber Vorbehalte gegen Männer in Kitas erlebt, wogegen erfahrene Kollegen damit oft weniger zu kämpfen hätten.

Inhaltlich sind die Arbeitskreise unterschiedlich ausgerichtet. In vielen Arbeitskreisen nimmt die kollegiale Beratung einen großen Teil ein, ergänzt durch thematische Anteile. Andere Arbeitskreise arbeiten  themenorientiert. Teilweise werden dazu regelmäßig externe Referenten eingeladen. Mehrere  Arbeitskreise bieten über die Arbeitskreistreffen hinaus eine jährliche Fortbildung an, die über  Fortbildungsetats finanziert wird. In Sachsen‐Anhalt sowie in Bremen/Oldenburg werden in diesem Jahr Fachtage zum Thema Männer in Kitas stattfinden. In Niedersachsen, Sachsen‐Anhalt und Sachsen gibt es zudem landesweite Vernetzungsinitiativen.

Das bundesweite Vernetzungstreffen ist eine gute Möglichkeit für die Teilnehmenden, sich über Erfahrungen, Praxisbeispiele und andere aktuelle Themen auszutauschen. Zwei Themen standen dieses Jahr im Vordergrund:

Rehabilitierung nach fälschlichem Missbrauchsverdacht

Ausgangspunkt der Diskussion sind Erfahrungen mit Fällen von Missbrauchsverdacht, in denen sich Beschuldigungen als unzutreffend herausstellten. Zwei Teilnehmer berichten von schon länger zurückliegenden Fällen, in denen nach einer sich schnell als haltlos herausstellenden Beschuldigung  zwar eine Klärung, aber keinerlei Rehabilitation seitens der Einrichtung oder des Trägers stattfand.

Es wird festgestellt, dass es inzwischen zwar gute Handreichungen und Instrumente für Interventionen bei Missbrauchsverdacht sowie bei bestätigten Missbrauchsvorfällen gibt, aber keine Instrumente für die weitere Bearbeitung, wenn sich ein Verdacht nicht bestätigt. Auch in guten Handreichungen wird dieses Thema nur sehr knapp oder gar nicht berücksichtigt. Hieraus ergebe sich ein Bedarf an Informationen zu:

  • Formalen Richtlinien für Arbeitgeber und Leitungen, wie in einem solchen Fall zu verfahren ist;
  • Klaren arbeitsrechtlichen Regelungen;
  • Konkreten Unterstützungsmaßnahmen für Betroffene und ihre Teams, insbesondere eine Vertrauensperson für Betroffene.

Träger, insbesondere Personalabteilungen, sowie Mitarbeitervertretungen müssen für diese Problematik sensibilisiert werden. Das Thema soll auf dem nächsten Vernetzungstreffen weiter bearbeitet werden.

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Jagd_%282012%29 | Der Film „Die Jagd“ bearbeitet dieses Thema

Männer, Gender und Flüchtlinge

Das Thema Flucht und die Arbeit mit Kindern und Familien mit Fluchterfahrung ist zurzeit eines der dominierenden Themen im Kitabereich. Dabei stehen Zusammenhänge zu Geschlechterfragen (noch) nicht im Vordergrund, obwohl diese an vielen Stellen eine Rolle zu spielen scheinen. Die Teilnehmer/innen sammelten Praxiseindrücke, Themen und Aspekte, die in diesem Kontext von Bedeutung sind. Als relevante Themen wurden benannt:

  • Traditionelle Geschlechterbilder und –rollen,
  • doppelte Stigmatisierung durch Ethnisierung und Selbst‐Ethnisierung,
  • Delegation von „schwierigen“ Themen an männliche Fachkräfte,
  • Umgang mit Traumata und Gewalterfahrungen.

Ausblick

Das nächste bundesweite Vernetzungstreffen wird voraussichtlich im Mai 2017 in
Düsseldorf stattfinden. Die Themen „Flucht“ und „Rehabilitierung“ sollen dort wieder
aufgegriffen werden.

Kontakt & Information:

Koordinationsstelle ‚Chance Quereinstieg – Männer in Kitas‘
Telefon: 030 – 501010-928