03.12.2015

Letztes Netzwerktreffen in Hamburg

In fünf Jahren viel bewegt

Foto: privat.

Katja Gwosdz koordiniert seit 2014 das Hamburger Netzwerk 'MEHR Männer in Kitas', angesiedelt bei Der Paritätische Hamburg. Nun findet das letzte Treffen des Netzwerkes statt – Zeit für eine Bilanz.
Zum Hintergrund des Hamburger Netzwerks: 2013 endete das durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderte Modellprogramm „MEHR Männer in Kitas“, und damit auch das Hamburger Modellprojekt „Vielfalt MANN! Dein Talent für Hamburger Kitas“. Dem PARITÄTISCHEN Hamburg gelang es, das Netzwerk bis Ende dieses Jahres weiter zu führen. Unterstützung erhielt er durch die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration sowie das Hamburger Institut für Berufliche Bildung. 2014 fanden zwei Netzwerktreffen statt, dieses Jahr wird es am 9. Dezember definitiv das letzte Netzwerktreffen geben.

Der männliche Fachkräftezuwachs ist 2014 erstmalig seit drei Jahren zurückgegangen. Wie schätzen Sie die gegenwärtige Situation in Hamburg ein?

Seit August 2013 haben alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen fünfstündigen Krippenplatz. Im Zuge dessen wurden die Krippen-Kapazitäten in Hamburg in der Zeit davor sukzessive erhöht, denn im Sommer 2013 wurden gut 20 Prozent mehr Kinder unter drei Jahren betreut als im Vorjahr. Ganz aktuelle Zahlen besagen, dass in Hamburg die Zahl der Krippenkinder weiter steigt, 2015 sind es mit 23.000 fünf Prozent mehr als 2014. Nach dem Krippen-Ausbau bis 2013 ist die Zahl der Fachkräfte in Hamburg nur noch sehr gering gestiegen. Gleichzeitig fand in Hamburg ein enormer Ausbau der Ganztagsbetreuung an Schulen statt, was vielen Erzieherinnen und Erziehern neue Arbeitsplätze brachte. 2014 arbeiteten zwar etwas mehr Männer als 2013 in Hamburger Kitas, allerdings ist die Zahl der weiblichen Fachkräfte proportional stärker gestiegen. Spannender finde ich allerdings eine andere Frage. Ab Sommer 2015 stehen nun halbjährlich zunehmend mehr Männer als frisch ausgebildete Erzieher dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Diesen Sommer endete der erste Ausbildungsjahrgang, der während unserer sehr erfolgreichen Kampagne „Vielfalt, MANN! Dein Talent für Hamburger Kitas“ begonnen hat, weitere fünf werden folgen, mit steigendem Männeranteil. Insofern gehen wir stark davon aus, dass sich diese Tendenz zukünftig auch auf einen steigenden Männeranteil bei den Fachkräften auswirken wird.

Wie beurteilen Sie die Auswirkungen und die Nachhaltigkeit des Projektes nach nun fünf Jahren?

Während unsere Kampagne „Vielfalt, MANN! Dein Talent für Hamburger Kitas“, die wir sehr breit in U- und S-Bahnen plakatiert haben, gab es in Hamburg eine enorme Aufmerksamkeit für das Thema Männer in Kitas. Dadurch und durch Gespräche, Workshops, Fortbildungen und andere Maßnahmen haben wir sehr vieles erreicht: (Junge) Männer denken nun viel häufiger und unbeschwerter darüber nach, Erzieher zu werden – und werden es auch; Berufsberater/innen in Schulen und Behörden sind sensibilisierter dafür, dass auch Männer Erzieher werden können; Eltern und Fachkräfte haben die große Bedeutung von Männern für die frühkindliche Bildung erkannt und Vorbehalte abgelegt; Kita-Teams haben sich intensiv mit unterschiedlichen Aspekten des Themas auseinandergesetzt und individuell und als Teams viel dazugelernt; der Beruf hat eine deutliche Imageverbesserung erfahren; Männer in Kitas werden in der Hamburger Presse nicht mehr als Exoten bezeichnet, sie haben sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Kita-Feld ihren großen Sonderstatus verloren – und das ist gut so!
Auch nach dem Ende der Plakatkampagne blieb die Zahl der Bewerber für einen Fachschulplatz so hoch, dass trotz erweiterter Kapazitäten Wartelisten aufgestellt werden mussten. Erst über ein Jahr später ging die Zahl der Anmeldungen wieder etwas zurück, was aber in meinen Augen nicht weiter verwunderlich ist. Die Zahl der neuen Fachschüler/innen ist weiterhin hoch.
Zeitlich befristete Projekte bringen es mit sich, dass ihre Themen während der Projektlaufzeit intensiv bearbeitet werden und dass das Interesse im Laufe der Zeit nachlässt. Sowohl im Kita-Feld als auch in der Öffentlichkeit dominieren mittlerweile andere Themen. Aber wir haben in den letzten fünf Jahren viel bewegt und erreicht, und ich bin überzeugt, dass so manches davon nachhaltig war.

Wohin können sich Interessierte künftig wenden? Wird es weiterhin Ansprechpartner/innen geben?

Auch wenn die öffentliche Nachfolgeförderung durch die Behörde für Arbeit, Soziales, Frauen und Integration und das Hamburger Institut für Berufliche Bildung Ende 2015 ausläuft, wird der PARITÄTISCHE Hamburg weiterhin die Website www.vielfalt-mann.de betreiben und für Fragen von Menschen, die sich für eine Ausbildung/Weiterbildung zum Erzieher/zur Erzieherin interessieren, zur Verfügung stehen. Am besten unter info(at)vielfalt-mann.de.

Vielen Dank für das Interview!