21.05.2015

Marc Melcher

Für mich ist es wichtig, dass das Thema „Geschlecht“ und „geschlechtliche Zuschreibungen“ ein Bestandteil der pädagogischen Qualität in Kitas wird und somit auch in der Ausbildung der Fachkräfte seinen Platz erhält.

Foto: privat.

Marc Melcher ist Bildungsreferent und Projektleiter ‚Jugend gemeinsam aktiv‘ und ‚Daddy be cool‘ des Bundesverbands des Partitätischen Bildungswerks. Er ist Mitglied unseres Expert/innen-Pools, einer Gruppe von Personen, die Fortbildungen, Vorträge und Workshops zum Thema ‚Männer in Kitas‘ anbieten.

Was finden Sie wichtig am Thema „Männer in Kitas“?

Für mich ist es wichtig, dass die Themen „Geschlecht“ und „geschlechtliche Zuschreibungen“ ein Bestandteil der pädagogischen Qualität und somit in der Ausbildung der Fachkräfte ihren Platz erhalten, wahrgenommen und reflektiert werden. Durch das Thema „Männer in Kitas“ wurde vieles angeregt und „an getriggert“. Nun geht es darum die Erkenntnisse aus den Modellprojekten weiterzuverbreiten. Die Fachkräfte sollten dazu ermutigt werden „geschlechtliche Themen“ zu reflektieren, zu bearbeiten und als Team wahrzunehmen, mit all seinen Facetten, Fallen und Chancen. Ob das in der pädagogischen Arbeit mit Mädchen und Jungen ist, im Team oder in der Elternarbeit.

In der Praxis wird deutlich, dass männliche Fachkräfte eine Möglichkeit benötigen, um ihren Alltag zu reflektieren, da sie oftmals alleine oder zu zweit in einer Einrichtung arbeiten. Hier ist es durchaus sinnvoll, auch Fortbildungsveranstaltungen durchzuführen, die einen starken reflexiven Anteil innehaben. Auch sie sind von Zuschreibungen betroffen die oft dazu führen das eine Art Leidensdruck entsteht. Wie gehen Teams damit um, wenn der Kollege zum Beispiel nicht dem zugeschrieben Bild „so hat ein Mann zu sein“ entspricht? Genauso ist es wichtig rein „weibliche“ Teams zum Thema Geschlecht zu sensibilisieren, da auch hier „Geschlecht“ als Thema in seinen unterschiedlichen Facetten sichtbar wird.

Wie gehen wir innerhalb einer Kita miteinander um im Hinblick auf die Vielfalt von weiblichen und männlichen Lebensentwürfen, welche „Experimentierfelder“ eröffnen wir Kindern und welche Freiheiten können sie in einer Kita erleben und leben. Wie können wir im Zwang der Heteronormativität eine Offenheit zulassen, um eine Vielfalt erlebbar zu machen?

Was wünschen Sie sich für die weitere Entwicklung und Verstetigung des Themas? Was müsste getan werden?

Ganz klar steht da für mich an erster Stelle die Ausbildung der Fachkräfte. Hier geht es darum eine Sensibilität zum Thema Geschlecht herzustellen, das mit einer Reflexion der eigenen Geschlechter-Sozialisation einhergeht. Erst wenn wir uns darüber im Klaren sind, wo in unserer eigenen Geschichte wir uns eingeschränkt oder diskriminiert gefühlt haben, werden wir unseren Blick sensibilisieren und einen positiven Blick in Richtung Vielfalt und Unterschiedlichkeiten von Menschen und die darin liegenden Chancen werfen. Es ist wichtig, dass Mädchen wie Jungen eine Vielfalt an Rollenmodellen, an Frauen wie Männern in einer Kita zu Verfügung stehen. Das sind meine Praxiserfahrungen in der Kita und dies war schon Anfang der 90er Jahre ein Gewinn für die Kinder in der Einrichtung, die paritätisch besetzt war.

Was sind Ihre Arbeitsschwerpunkte?

Ich bin in der Fort- und Weiterbildung tätig. Mein Schwerpunkt liegt im Themenfeld der Genderpädagogik und der Jungenarbeit/Jungenpädagogik. In beiden Themenfeldern geht es immer darum, unsere Erfahrungen aus unseren Praxisprojekten in die Fort- und Weiterbildung zu transferieren. Darin liegt eine sehr große Nähe zur pädagogischen Praxis. Die Vermittlung von Theorie in die Praxis ist so nachvollziehbar, da Praxisbeispiele eine große Rolle spielen.

Dabei sind zum Beispiel folgende Praxisprojekt von Bedeutung:

www.freiwilligendienst-jungs.de
www.daddy-be-cool.de
www.sozialejungs.de
www.jugend-gemeinsam-aktiv.de

Vielen Dank für das Interview!