19.03.2015

Niedersachsen

In Niedersachsen geht es darum, die Ergebnisse und Prozesse im Sinne einer flächendeckenden, trägerübergreifenden und qualitätssichernden Struktur nachhaltig zu etablieren und weiter zu entwickeln.

Wir haben Yasemin Baş (Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung) und Dr. Volker Weiß (Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V.) zur aktuellen Situation von „Männer in Kitas“ in Niedersachen befragt.

Sie waren zwischen 2011 und 2013 im ESF-Modellprogramm „MEHR Männer in Kitas“ aktiv. Was hat sich seit dem Ende des Modellprogramms in Ihrem Arbeitsbereich zum Thema „Männer in Kitas“ getan?

Durch die erfolgreiche Arbeit in den Modellprojekten konnte bereits der Männeranteil in Kitas und Fachschulen gesteigert werden. In den nun angestoßenen weiteren Prozessen und Projekten geht es darum, die Ergebnisse im Sinne einer flächendeckenden, trägerübergreifenden und qualitätssichernden Struktur nachhaltig zu etablieren und weiter zu entwickeln. Aus den Projekten sind Netzwerkstrukturen sowie Männerarbeitskreise hervorgegangen, die durch den Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. (VNB) sowie das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung koordiniert bzw. unterstützt werden.

Wir bieten eine Plattform für den interdisziplinären Austausch; so findet einmal im Jahr ein niedersachsenweites Vernetzungstreffen unter Beteiligung von JobCenter, Arbeitsagentur, Ministerien, Fachschulen, Männer AK Leitern, etc. statt, um aktuelle Entwicklungen im Kontext einer geschlechtersensiblen Pädagogik zu diskutieren, sich gegenseitig über gelungene Praxis zu informieren und Arbeitszusammenhänge zu verabreden.

Weiterhin existieren in Niedersachsen zurzeit sieben Arbeitskreise von männlichen Fachkräften in Kitas. Um auch hier einen kollegialen Austausch unter den AK-Leitungen bzw. Verantwortlichen zu ermöglichen, organisieren wir ein- bis zweimal jährlich ein Vernetzungstreffen mit möglichen Inputs zu bestimmten Themen. Die Teilnehmenden wirken dann als Multiplikatoren für ihre eigenen Arbeitskreise.

Ein weiterer „Meilenstein“ ist das Projekt „Männer in hannoverschen Kitas“, welches von der Landeshauptstadt mit 20.000 € jährlich, befristet auf drei Jahre, gefördert wird. Dabei geht es gezielt um die Gewinnung junger Männer für die Arbeit in Kitas. Berufsberatung sowie Öffentlichkeitsarbeit sind nur ein Teil des Aufgabenfeldes.

Insofern glauben wir, dass wir in Niedersachsen auf einem guten Weg sind.

Welche Schritte müssten gegangen werden, um das Thema „Männer in Kitas“ weiter in Ihrer Region zu verstetigen?

Für eine nachhaltige Verstetigung müssen Kommunen und freie Träger grundsätzlich mehr Verantwortung übernehmen, d.h. die fachliche Notwendigkeit, den Männeranteil in Kitas zu erhöhen, anerkennen und diesbezüglich eine größere Handlungsbereitschaft zeigen. Lippenbekenntnisse oder Einzelkämpfer_innen reichen für Veränderungsprozesse nicht aus.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist es, regelmäßig Fortbildungen bzw. kollegiale Fallberatungen anzubieten, weil der Alltag noch zu sehr von geschlechtsspezifischen Modellen geprägt ist (Haltung, Spielzeuge, Raumgestaltung etc.). Dabei kommt es darauf an, nicht nur Männer auf ihre Tätigkeit sowie Rolle in überwiegend von Frauen besetzten Teams vorzubereiten, sondern auch die Erzieherinnen über stereotypisches Verhalten, eigene Haltung sowie geschlechterbewusste Pädagogik zu sensibilisieren, da nach wie vor veraltete Rollenbilder und -zuschreibungen gelebt sowie Erwartungen formuliert werden. Des Weiteren müssen sich Träger/Kommunen mit Schutz- bzw. sexualpädagogischen Konzepten auseinandersetzen, um Mitarbeiter_innen und Kinder zu schützen und Transparenz für Eltern zu schaffen.

Wie wird es bei Ihnen in nächster Zeit in Bezug auf „Männer in Kitas“ weitergehen? Haben Sie Zukunftspläne?

Wir wollen auf den bisher erarbeiteten Strukturen aufbauen und die Vernetzung vorantreiben. Mit der Unterstützung des Projektes „Männer in hannoverschen Kitas“ sollen die Fachschulen stärker eingebunden und auch die Männer-AKs langfristig in die Trägerstrukturen integriert werden.

Dass „Gender“ ein Querschnittsthema und kein zusätzliches „on top“ ist, ist bei vielen noch nicht angekommen. Das gilt für alle Ebenen und Strukturen der frühkindlichen Bildung. Daher sollte es als integraler Bestandteil einer kompetenzorientierten Pädagogik und Teil einer inklusiv denkenden und handelnden Gesellschaft entwickelt und gelebt werden.

Denn die Heterogenität der Kita-Teams ist eine Bereicherung und gibt Kindern die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit Geschlechterbildern und Rollenvorstellungen und zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit jenseits stereotyper Muster.

Vielen Dank für dieses Interview!

Kontakt:
Yasemin Bas,
Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung
Regionalnetzwerk Mitte
Tel.: 0511 168-34297
yasemin.bas(at)hannover-stadt.de
www.mitte.nifbe.de

Dr. Volker Weiß
Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V.
Geschäftsstelle Göttingen
Tel.: 0551-507646-16
volker.weiss(at)vnb.de
www.vnb.de