21.05.2015

Uwe Siedentopf

Mit mehr Männern in Kitas soll sich auch das Bildungsangebot um die „Vielfalt Mann“ steigern

Foto: privat.

Uwe Siedentopf ist Leiter einer Kindertagesstätte der Stadt Hannover und Mitglied unseres Expert/innen-Pools, einer Gruppe von Personen, die Fortbildungen, Vorträge und Workshops zum Thema ‚Männer in Kitas‘ anbieten.

Was finde ich wichtig am Thema Männer in Kindertagesstätten?

Für die Jungen und Mädchen:

Unsere Gesellschaft besteht aus Frauen und Männern.
Momentan ist das Abbild der Gesellschaft, und somit der Vielfalt von Menschen, in den Kindertagesstätten immer noch unvollständig dargestellt.
Insofern würde sich mit mehr Männern auch das Bildungsangebot um die „Vielfalt Mann“ steigern.
Jungen und Mädchen könnten Männer und Frauen in Interaktion erleben. Jungen hätten gleichgeschlechtliche Ansprechpartner und Vorbilder.
Mädchen erleben Männer nicht als außerhäusig, sondern im Bereich der Fürsorge, Betreuung und Erziehung.
Für Jungen und Mädchen wären Männer als Vorbilder erlebbar.
Speziell für Jungen bildet sich mit dem in der Kita erlebbaren Mann eine mögliche Antwort auf die Frage des späteren, eigenen Mann seins, heraus.

Für die Väter und Mütter:


Die Vielfalt der möglichen ansprechbaren Erziehenden in den Kitas erhöht sich auch hier um den Anteil der „Vielfalt Mann“.
Väter hätten mit männlichen Erziehenden einen gleichgeschlechtlichen Ansprechpartner. Gespräche von Vater zu Vater liegen somit im Bereich des Möglichen.
Mütter hätten die Chance mit gegengeschlechtlichen Erziehenden in den Austausch zu gehen.
Väterliche, männliche Aspekte könnten in Elterngesprächen ihren Platz finden.

Für die Kolleginnen:

Auch hier gilt, dass unsere Gesellschaft aus Frauen und Männern besteht.
Pädagogische Inhalte und Handlungsweisen können durch Männer und Frauen unterschiedlich bewertet werden.
Tradierte Rollenzuschreibungen werden durch bewusstes Handeln entkräftet.
So sind Männer in Kitas sehr gut in der Lage zu trösten, Windeln zu wechseln oder mit Jungen und Mädchen zu kochen, während Frauen zum Beispiel Bildungsbereiche wie Bewegung und Forschung als Schwerpunkt wählen.
Geschlechtliche Vielfalt wird somit sichtbar und trägt zur Bereicherung der Erlebbarkeit von Männern und Frauen in den Kindertagesstätten bei.

Was wünsche ich mir für die weitere Entwicklung und Verstätigung des Themas?
Was müsste getan werden?

Wenn mir eine gute Fee drei Wünsche zu diesem Thema erfüllen könnte, würde ich mir wünschen:

I)  Die politische und gesellschaftliche Einsicht der Notwendigkeit

II) Ausreichende, finanzielle Mittel

III) Menschen, die die Weiterentwicklung vorantreiben

Wunsch  eins und zwei sind temporär im ESF Modellprogramm „Mehr Männer in Kitas erfüllt worden. Nun zeigt sich leider, dass lediglich Wunsch drei weiterhin Bestand hat.
Nach wie vor gibt es engagierte Menschen, die das Thema wichtig finden und voran bringen wollen.
Die finanziellen Quellen sind bis auf wenige Ausnahmen versiegt.
Die Politik hält sich nach Ende des Modellprogramms bedeckt.

Also:
Bereitstellung von öffentlichen Geldern für ständige Planungs- und Koordinationsstellen „Männer in Kitas“. Schaffung von Nachhaltigkeit.
Politikerinnen und Politiker, denen das Thema nach wie vor wichtig ist, und Menschen mit Engagement, die mit Männern und Frauen zu diesem Thema arbeiten.
Diese Wünsche bilden für mich die Säulen zur Weiterentwicklung und Verstetigung des Themas.

Vielen Dank für das Interview!